BOHNEN (1994)

 

Diesen Text schrieb ich 1994, ich war damals also 13 Jahre alt. Es ist einer der wenigen Texte aus der Zeit, die mir heute noch ganz gut gefallen – und eigentlich der erste Kurzprosatext, den ich überhaupt geschrieben habe. Ich hatte zwar vorher ein Theaterstück geschrieben und ein, zwei Romananfänge, aber nichts, was irgendwie in die Richtung Kurzgeschichte oder Parabel ging.

DAS THEMA

In dem Text geht es darum, wie es ist ein Außenseiter zu sein und ob ein „normales“ Leben vorzuziehen sei. Das war ein Thema, das mich eigentlich meine ganze Jugend hindurch beschäftigt hat und, in einer anderen Weise, bis heute tut. Ich war immer exzentrisch, ich war immer ein Außenseiter und ich wurde immer gemobbt. Einen anderen Zustand kannte ich zwischen meinem sechsten und meinem neunzehnten Lebensjahr eigentlich nicht.

Damals beschäftigte mich noch sehr die Frage, ob 

DIE BILDLICHKEIT

Ich wuchs auf einem Resthof auf dem Land auf – wir hatten einen Hektar Land, Tiere, Obst und Flächen für Gemüseanbau, also alles, was man für die Hobbylandwirtschaft brauchte.

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob wir in dem Sommer selbst Buschbohnen gezogen hatten; wir haben das öfters getan, aber es kann auch sein, dass wir die frischen Bohnen gekauft hatten, die wir abstrippelten. In jedem Fall erinnere ich, dass wir irgendwann in diesem Sommer 1994 zu dritt um den Tisch saßen – meine Großtante, meine Mutter und ich – und für das Mittagessen die Bohnen vorbereiteten.

Ich mochte diese geselligen Arbeiten am Küchentisch immer gern, genauso wie das gemeinsame Ernten. Ich hatte vor mir einen Haufen Bohnen, aus dem es die gelben und die allzu schlecht aussehenden auszusortieren galt, und allen anderen Köpfchen und Schwänzchen abzuschnippeln. Während ich so vor mich hinschnippelte und sortierte, kam mir die Idee für diese Geschichte.

DER STIL

Ich bin oft, insbesondere als ich noch so jung war, gefragt worden, wer mich stilistisch beeinflusst hat. Die Wahrheit ist: Ich habe eigentlich immer weitgehend unabhängig von konkreten literarischen Einflüssen geschrieben.

Durch die Lektüre vieler verschiedener Autoren war ich mit recht verschiedenen Stilen und deren Wirkung intuitiv vertraut, und ich habe sie dann eingesetzt, wenn ich fand, dass sie zum Thema und zu dem, was ich ausdrücken wollte, passten. Aber ich habe da eigentlich nicht drüber nachgedacht. Das war einfach, wie diese Geschichte in meinem Kopf klang, und so habe ich sie aufgeschrieben.

Wenn hier ein Stil einen Einfluss ausgeübt hat, war es vermutlich der von Wolfgang Borchert. Das aber nicht, weil ich ein großer Fan von Wolfgang Borchert gewesen wäre, sondern weil ich möglicherweise für den schlichten Stil unbewusst bei ihm Anleihen genommen habe. Glühende Verehrung war mir schon als Kind völlig entgehen – wenn ich ehrlich bin, dann vermutlich deshalb, weil ich in kindlicher Vermessenheit stets überzeugt war, es eh besser zu können. Und als Erwachsener glühend zu verehren, finde ich schlicht albern.

DIE QUALITÄT

Dem Text merkt man natürlich schon ein klein wenig  die Jugend der Verfasserin an. Ich würde aber heute gar nicht viel dran ändern wollen. Dass etwa die Bildebene und die Bedeutungsebene ineinanderlaufen, gefällt mir ganz gut. Ich würde aber dieses Ineinanderlaufen – und auch die Abgrenzungen – heute anders und klarer setzen.